Kinder großziehen fern von Oma: die Mental Load in Valencia
Ja, Kinder ohne die eigene Mutter und ohne Familie in der Nähe großzuziehen, wiegt in der Auswanderung fast immer schwerer, als man es sich vorher eingesteht, und das hat nichts mit persönlicher Schwäche zu tun. Sobald das familiäre Sicherheitsnetz fehlt, steigt die mentale Last der Elternschaft fast automatisch, weil niemand mehr kurzfristig einspringt: kein Mittwochnachmittag bei Oma, keine Tante, die kurz das fiebernde Kind übernimmt, während ein Arzttermin ansteht, keine zwei ruhigen Stunden am Sonntagnachmittag. Für Mütter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommt hinzu, dass Großelternbetreuung zu Hause oft strukturell viel selbstverständlicher eingeplant ist als anderswo, besonders in der Schweiz und in Westdeutschland, was den Bruch nach dem Umzug nach Valencia noch deutlicher spürbar macht. Es gibt dazu belastbare Forschung, und ebenso wichtig, konkrete Anlaufstellen vor Ort, die einen Teil dieser Last auffangen können.
Kurz gesagt: was du wissen musst
Das Fehlen von Großeltern und Familie zwingt dazu, das komplette Alltagshelfer-Netzwerk neu aufzubauen, und das ist in der Fremde von Grund auf schwieriger als zu Hause. Forschung zur Migrationspsychologie beschreibt mehrere Phasen der Auswanderung (Euphorie, Anpassungskrise, Zweifel), und die mentale Last ist gerade in der Krisenphase am größten. Eine Untersuchung von Forscherinnen der McGill University und des Kinderspitals von Montreal, verbreitet über das kanadische Forschungsnetzwerk ORFQ, findet bei Müttern, die unter Armut und Isolation migriert sind, deutlichere Anzeichen von Angst und depressiven Symptomen. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben jeweils eigene, fest im Inland verankerte Unterstützungsnetze für frischgebackene Eltern (Frühe Hilfen, Mütter- und Väterberatung, Eltern-Kind-Zentren), die aber nicht mit ins Ausland reisen. In Valencia füllen deutschsprachige Strukturen wie die Krabbelgruppe der Deutschen Schule, die Deutsche Spielgruppe Valencia oder Vereine wie Suizos de Valencia einen Teil dieser Lücke.
| Punkt | Was die Quellen zeigen | Quelle |
|---|---|---|
| Fehlendes familiäres Netz | Das Alltagshelfer-System muss in der Auswanderung komplett neu aufgebaut werden | Migrationsforschung zu Elternbelastung im Ausland |
| Psychische Gesundheit von Müttern | Isolation und Prekarität sind mit stärkeren Angst- und Depressionssymptomen verbunden | Vanessa Lecompte (McGill University) und Cécile Rousseau (Kinderspital Montreal), via ORFQ |
| Großelternbetreuung in der Schweiz | 46 % der Eltern von Kindern bis 3 Jahren greifen auf Großeltern oder andere private Personen zurück, europaweite Spitze | Bundesamt für Statistik (BFS), 2023, via SRF |
| Großelternbetreuung in Deutschland | Fast 20 % der unter Dreijährigen verbringen im Westen regelmäßig Vormittage bei Oma und Opa, im Osten unter 5 % | DIW Berlin / Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Projekt "Oma und Opa gefragt?", 2021 |
Warum wiegt das Fehlen der Großeltern im Alltag so schwer?
Weil es von einem Tag auf den anderen ein ganzes System informeller Nothilfe entfernt, auf das viele Familien sich stützen, ohne es überhaupt bewusst wahrzunehmen. Kein spontaner Anruf bei den Eltern, die kurz einspringen, keine Nachbarin von früher, die das Kind für eine Stunde nimmt, kein Cousin, der bei einem unvorhergesehenen Termin aushilft. Das gewohnte "Dorf", das im Heimatland existierte, gibt es in Valencia schlicht nicht, und es muss von null an neu aufgebaut werden, oft allein, wenn der Partner beruflich viel unterwegs oder stark eingespannt ist. Genau das beschreiben Fachleute, die Familien in der Auswanderung begleiten, immer wieder als einen der am meisten unterschätzten Belastungspunkte.
Was unterscheidet Deutschland, Österreich und die Schweiz dabei?
Mehr, als man auf den ersten Blick denkt, und das macht den Verlust je nach Herkunft unterschiedlich konkret spürbar. In der Schweiz ist die Großelternbetreuung besonders tief verankert: Laut einer BFS-Erhebung von 2023 greifen 46 % der Eltern von Kindern bis drei Jahren regelmäßig auf Großeltern oder andere private Personen im Umfeld zurück, ein europäischer Spitzenwert. In Österreich liegt der Anteil der privaten Betreuung, zu der Großeltern zählen, laut vergleichenden Erhebungen bei rund einem Drittel der Familien. In Westdeutschland verbringen laut einer zweijährigen Studie des DIW Berlin und des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Projekt "Oma und Opa gefragt?", geleitet von Katharina Spieß, veröffentlicht 2021, auf Basis von SOEP-Daten von 1997 bis 2020) fast 20 % der unter Dreijährigen regelmäßig Vormittage bei den Großeltern, eine Betreuungsform, die dort ähnlich wichtig ist wie die Kita.
Interessant wird es bei der ehemaligen DDR: Dort liegt dieser Anteil laut derselben Studie bei unter 5 %, ein Erbe der flächendeckenden Krippenversorgung, die es in Ostdeutschland schon vor der Wende gab. Wer also in Dresden oder Leipzig aufgewachsen ist, hat womöglich selbst nie mit der Erwartung gelebt, dass Großeltern regelmäßig einspringen, und empfindet den Verlust in Valencia dann eher als das Fehlen einer emotional vertrauten Bezugsperson als als praktisches Betreuungsloch. Für eine Mutter aus dem Kanton Bern, aus Vorarlberg oder aus dem Rheinland, wo Oma und Opa oft fest im Wochenplan eingeplant waren, ist es dagegen meist beides zugleich: eine emotionale und eine ganz praktische Lücke. Keine der beiden Ausgangslagen ist "leichter", sie erfordern nur unterschiedliche Dinge, um sich in Valencia neu einzurichten.
| Herkunft | Was Studien zeigen |
|---|---|
| Schweiz | 46 % der Eltern von unter Dreijährigen nutzen Großeltern oder private Betreuung, EU-weite Spitze |
| Österreich | Rund ein Drittel der Familien setzt auf private Betreuung, Großeltern eingeschlossen |
| Westdeutschland | Fast 20 % der unter Dreijährigen regelmäßig bei Oma und Opa, ähnlich wichtig wie die Kita |
| Ostdeutschland | Unter 5 %, historisch bedingt durch die frühe Krippentradition der DDR |
Welche zusätzliche Last bringt die Schulsprache?
Weil Hausaufgabenhilfe in einer Sprache, die man selbst nicht beherrscht, eine zusätzliche Aufgabe obendrauf wird, zu allem anderen. Eine Schulsprache, die nicht der Muttersprache der Eltern entspricht, gilt in der Forschung zu Auswandererfamilien als klar belegte zusätzliche mentale Last, dazu kommen die administrativen Schritte des lokalen Schulsystems und die Begleitung eines Bildungswegs, mit dem die Eltern selbst oft keine direkte Erfahrung haben. Wer sich zwischen öffentlicher, konzertierter, privater oder internationaler Schule orientieren will, findet in unserem Leitfaden zum spanischen Schulsystem die Stufen und Gleichwertigkeiten im Überblick, und wer sich für die Deutsche Schule Valencia oder andere internationale Schulen interessiert, findet in unserem Vergleich der internationalen Schulen die Kosten und Aufnahmebedingungen.
Hat das einen messbaren Effekt auf die psychische Gesundheit von Müttern?
Es gibt dafür Anhaltspunkte, vor allem in Kontexten von Prekarität. Laut einer über das kanadische Forschungsnetzwerk ORFQ verbreiteten Studie von Vanessa Lecompte (McGill University) und Cécile Rousseau (Kinderspital von Montreal) sind finanzielle Prekarität, sprachliche und kulturelle Barrieren sowie fehlende Unterstützung durch nahestehende Personen bei migrierten Müttern mit deutlicheren Anzeichen von Angst und Depression verbunden, mit möglichen Auswirkungen auf die Bindung zum Neugeborenen. Diese Studie bezieht sich auf Migration in prekären Kontexten, was nicht eins zu eins auf jede freiwillig gewählte Auswanderung übertragbar ist, sie dokumentiert aber einen breiteren Mechanismus: fehlende Unterstützung in der Nähe belastet die psychische Gesundheit von Müttern, unabhängig davon, wie stark die wirtschaftliche Prekarität im Einzelfall ausfällt. Zum Vergleich: In Deutschland entwickeln nach Angaben von Fachverbänden zwischen 10 und 15 % der jungen Mütter eine postpartale Depression, wobei fehlende soziale Unterstützung als einer der Risikofaktoren gilt, unabhängig vom Wohnort. Wo man sich in Valencia im Ernstfall ärztlich vorstellt, erklärt unser Überblick über das spanische Gesundheitssystem.
Welche professionelle Hilfe bleibt zu Hause zurück?
Genau die Unterstützungsnetze, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz eigens für die erste Zeit mit Kind aufgebaut wurden, und die es in dieser Form nirgendwo automatisch im Ausland gibt. In Deutschland begleiten Familienhebammen im Rahmen der bundesweiten Frühen Hilfen (koordiniert vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen, NZFH) Familien kostenlos von der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Lebensjahres, oft mit Hausbesuchen. In der Schweiz übernimmt die kantonale Mütter- und Väterberatung genau diese Rolle: kostenlos, in jedem Kanton verfügbar, für Kinder von 0 bis 5 Jahren, telefonisch, vor Ort oder als Hausbesuch. In Österreich bieten die Eltern-Kind-Zentren und die kostenlosen, anonymen Familienberatungsstellen, seit September 2023 ergänzt um die Elternberatung im Rahmen des Eltern-Kind-Passes, denselben Anlaufpunkt. Der Haken: Alle drei Systeme sind an einen Wohnsitz im jeweiligen Heimatland gebunden. Wer nach Valencia zieht, verliert damit nicht nur die Großeltern, sondern auch dieses ganze professionelle, ortsgebundene Auffangnetz, ohne dass es einen automatischen spanischen Ersatz dafür gibt. Empadronamiento und SIP-Karte öffnen zumindest den Zugang zum spanischen Gesundheitssystem inklusive Kinderarzt und Hebamme vor Ort, unser Leitfaden zur SIP-Karte in Valencia erklärt die Schritte dazu.
Welche Anlaufstellen gibt es in Valencia?
Mehrere, mit unterschiedlichem Charakter, von der lockeren Spielgruppe bis zum festen Verein. Die Idee ist nicht, überall gleichzeitig mitzumachen, sondern sich ein oder zwei feste, wiederkehrende Termine auszusuchen, die den fehlenden Familienanschluss zumindest teilweise ersetzen.
| Anlaufstelle | Was sie bietet |
|---|---|
| Krabbelgruppe der Deutschen Schule Valencia | Montags in der Turnhalle der DSV, für Kinder von 0 bis 3 Jahren mit Eltern, Tanten, Onkeln oder Großeltern, 5 Euro pro Erwachsenem, Anmeldung nötig |
| Deutsche Spielgruppe Valencia | Samstags, geleitet von deutschsprachigen, ausgebildeten Lehrkräften, für ein- bis mehrsprachige Kinder |
| Valencia für Deutsche | Deutschsprachiges Onlineportal mit Veranstaltungskalender und Verzeichnis deutschsprachiger Fachleute, auch Ärztinnen und Ärzte |
| Suizos de Valencia | Schweizer Verein mit regelmäßigem Stammtisch, guter Einstieg für Schweizer Familien |
| InterNations Valencia | Internationales Expat-Netzwerk mit regelmäßigen Treffen, auch für Eltern hilfreich, um sich generell zu vernetzen |
| La Liga de la Leche España | Landesweites Netzwerk für Stillberatung und Erfahrungsaustausch unter Müttern, kostenlose Gruppentreffen, nächstgelegene Gruppe über laligadelaleche.es finden |
Für einen breiteren Überblick über Communitys jenseits der rein deutschsprachigen Szene lohnt sich unser Artikel darüber, wo du in Valencia deine Community findest, und wenn das Gefühl der Isolation eher generelle Einsamkeit als speziell die Elternrolle betrifft, ordnet unser Artikel zum Freundefinden nach 35 das noch einmal breiter ein.
Was hilft diese Woche konkret?
- Einen einzigen festen, wiederkehrenden Termin wählen (Krabbelgruppe montags oder Spielgruppe samstags), statt auf zufällige Gelegenheiten zu hoffen.
- Sich früh anmelden, am besten schon vor der Erschöpfung, nicht erst, wenn es nicht mehr anders geht.
- Mit ein oder zwei anderen Familien ein Gegenseitigkeitssystem aufbauen: Kinderhüten im Wechsel, damit es nicht immer an derselben Person hängt.
- SIP-Karte und Kinderarzt-Anmeldung erledigen, bevor ein Notfall dazu zwingt, das nimmt später viel Druck heraus.
- Bei anhaltender Erschöpfung früh professionelle Hilfe suchen, notfalls über ein deutschsprachiges Verzeichnis, das ist keine Schwäche, sondern eine angemessene Antwort auf eine objektiv schwerere Ausgangslage.
Häufig gestellte Fragen
Ist es normal, sich auch mit einer gut funktionierenden Kinderbetreuung überfordert zu fühlen?
Ja: Die mentale Last beschränkt sich nicht auf die Betreuung selbst, sie umfasst auch das Vorausdenken bei Unvorhergesehenem, die Schulbegleitung in einer fremden Sprache und das Fehlen von Entlastung an einem erschöpften Tag. Eine funktionierende Betreuung löst einen Teil des Problems, nicht das Ganze.
Wirkt sich das Fehlen der Großeltern wirklich auf die psychische Gesundheit aus?
Forschung, besonders zu Migration in prekären Kontexten, bringt fehlende Unterstützung durch nahestehende Personen mit deutlicheren Anzeichen von Angst oder Depression bei manchen Müttern in Verbindung. Wie stark sich das auswirkt, hängt stark von der wirtschaftlichen und sozialen Lage jeder einzelnen Familie ab.
Gibt es in Valencia deutschsprachige Anlaufstellen für frischgebackene Eltern?
Ja, unter anderem die Krabbelgruppe der Deutschen Schule Valencia am Montag, die Deutsche Spielgruppe am Samstag, das Portal Valencia für Deutsche mit einem Verzeichnis deutschsprachiger Fachleute, sowie internationale Netzwerke wie InterNations. Für Schweizer Familien bietet zusätzlich der Verein Suizos de Valencia einen regelmäßigen Treffpunkt.
Quellen
- DIW Berlin / BiB, Projekt "Oma und Opa gefragt?" (2021)
- SRF, BFS-Statistik zur Großelternbetreuung in der Schweiz (2023)
- Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH)
- Familienberatung.gv.at, Familienberatungsstellen und Eltern-Kind-Pass (Österreich)
- Mütter- und Väterberatung in der Schweiz
- Deutsche Krabbelgruppe in Valencia, Valencia für Deutsche
- Deutsche Spielgruppe Valencia
- Suizos de Valencia
- InterNations Valencia
- La Liga de la Leche España, Stillgruppen
- ORFQ, Studie von Vanessa Lecompte (McGill University) und Cécile Rousseau (Kinderspital Montreal) zu Migration und postnataler psychischer Gesundheit
Infos verifiziert im Juli 2026. Wenn die mentale Last im Alltag schwer zu tragen wird, kann ein Gespräch mit einer Fachperson oder einer der hier genannten Anlaufstellen einen Teil des Gewichts nehmen: Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine angemessene Antwort auf eine objektiv schwerere Ausgangslage. Dieser Artikel wurde mithilfe von KI erstellt, anschließend von unserer Redaktion geprüft, gegengelesen und redaktionell verantwortet.
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