Die spanische Art: die Wangenküsse, das Du und die Lautstärke
Man glaubt, Spanien schon zu kennen, weil man seit Jahren jeden Sommer hierherkommt. Und dann zieht man wirklich her und entdeckt tausend kleine Codes, die nicht die eigenen sind. Nichts Böses dabei, im Gegenteil: Hinter der Form steckt eine Wärme, die einem fehlt, sobald man wieder zu Hause ist.
Zwei Küsschen, schon beim ersten Mal
In Deutschland, Österreich oder der Schweiz reicht man sich zur Begrüßung meistens die Hand, selbst wenn man sich schon mehrmals gesehen hat. Wangenküsse bleiben der Familie und engen Freunden vorbehalten, und in den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz greift man ebenfalls lieber zum Handschlag. In Österreich sind zwei Wangenküsse unter guten Freunden zwar bekannt (dort beginnt man traditionell links), aber auch dort bleiben sie dem engen Kreis vorbehalten, nicht der Bäckerin von nebenan. In Valencia ist das anders: Man begrüßt sich mit zwei Küsschen auf die Wange, meist beginnend mit der rechten, und zwar auch bei Menschen, denen man gerade zum ersten Mal begegnet. In den ersten Wochen führt das zu kleinen Verwirrungen und halben Zusammenstößen, weil man selbst noch zögert, ob eine Hand oder eine Wange die richtige Antwort ist. Man gewöhnt sich schnell daran, und irgendwann fehlt einem dieser unkomplizierte Kontakt, sobald man wieder zu Hause ist.
Das Du, überall
Das Sie sitzt in Deutschland, Österreich und der Schweiz tief: Man siezt Fremde, Kolleginnen und Kollegen ohne persönliche Nähe, das Amt, oft sogar Nachbarn über Jahre hinweg. Der Wechsel zum Du ist ein eigenes kleines Ritual, das eine der beiden Seiten ausdrücklich anbieten muss, etwa mit einem "wir können uns ruhig duzen". In Valencia gibt es dieses Ritual praktisch nicht. Man duzt sich auf dem Markt, in der Bank, beim Arzt, manchmal sogar im Rathaus. Das usted (die spanische Höflichkeitsform) ist Großeltern und sehr feierlichen Anlässen vorbehalten. Für jemanden, der mit dem festen Sie-Reflex aufgewachsen ist, wirkt das zunächst fast respektlos, dann befreiend: Man ist von der ersten Sekunde an ein bisschen näher beieinander.
Guapo, guapa, cariño
An der Theke nennt dich die Bäckerin cariño (Schatz), der Fischhändler wirft dir ein guapa (Schöne) hinterher. Wer aus dem deutschsprachigen Raum kommt, wo man selbst von guten Bekannten selten mit einem Kosenamen angesprochen wird, geschweige denn von der Verkäuferin im Laden, hält das im ersten Moment für Anmache. Es ist keine. Es ist die Sprache des Alltags, eine Art, das Gespräch weicher zu machen. Wer darin nur eine Anzüglichkeit sieht, verpasst etwas.
Laut sprechen ist miteinander leben
Und dann die Lautstärke. In Bars in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gilt eine gewisse Zimmerlautstärke fast als Zeichen von Anstand, man dämpft die Stimme, sobald der Nachbartisch mithören könnte. In Valencia ist es umgekehrt: Bars sind laut, man spricht über andere hinweg, man fällt sich mit Schwung ins Wort. Der erste Reflex vieler DACH-Ohren ist, darin einen aufziehenden Streit zu hören. Das Gegenteil ist der Fall: Es ist Leben, Energie, Präsenz. Man fasst sich an den Arm, steht nah beieinander, lacht laut. Man lernt, die Deckung fallen zu lassen und den Ton aufzudrehen.
Wer diese kleinen Codes einmal verinnerlicht hat, merkt: Es sind keine Marotten, sondern eine andere Art, miteinander zu leben. Und die gewöhnt man sich erstaunlich gern an.
Le Livre blanc 2026 de l'expat à Valencia
NIE, empadronamiento, fiscalité, école, logement : tout l'essentiel pour s'installer, réuni dans un guide PDF. Laisse ton e-mail, on te l'envoie.
🎉 Et voilà ! Ton Livre blanc 2026 de l'expat s'ouvre ici :
Ouvrir le Livre blanc 2026Dernière étape pour rejoindre l'aventure : confirme ton inscription dans l'e-mail qu'on vient de t'envoyer.

Réagis à cet article