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Jahrhundertealte Ficus-Riesen in Valencia: Glorieta und Parterre

· La Rédaction de TDV
Seit 1852 stehen in Valencia riesige, aus Versehen gepflanzte Ficus. Warum es sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz draußen niemals geben könnte.
Jahrhundertealte Ficus-Riesen in Valencia: Glorieta und Parterre

In Valencia stehen vier subtropische Riesenfeigen, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz draußen niemals überleben würden: Ficus macrophylla, ursprünglich aus den Regenwäldern Australiens, wurden 1852 aus Versehen mitten in der Stadt gepflanzt, zusammen mit einem Posten Magnolien. 170 Jahre später sind daraus botanische Wahrzeichen geworden, mit Stützwurzeln so groß wie Bänke und einer Krone, die halbe Plätze überschattet.

Kurz gesagt: das Wichtigste in Kürze

WasFaktQuelle
ArtFicus macrophylla (Moreton-Bay-Feige, Großblättrige Feige), heimisch im Regenwald von Queensland und New South Wales, AustralienValencia Plaza, dt. Wikipedia
Ficus vom Parterre24 Meter hoch, Krone deckt rund 850 m² abValencia Plaza
Pflanzung (aus Versehen)1852, vermischt mit rund 47 MagnolienValencia Bonita, Valencia Plaza
FrostempfindlichkeitVerträgt bestenfalls kurze Spitzen bis etwa minus 3 bis minus 6 Grad, sonst tödlichPFAF Plant Database, Fachliteratur
Geschützte Bäume in der Comunitat Valenciana2.439 Exemplare (Stand 23. März 2023)Generalitat Valenciana, CIEF

Warum gibt es solche Bäume nicht in Deutschland, Österreich oder der Schweiz?

Weil Ficus macrophylla eine subtropische Regenwaldart ist, die echten Frost nicht verträgt. Fachquellen zufolge übersteht die Art bestenfalls kurze Kälteeinbrüche bis etwa minus 3 bis minus 6 Grad, und selbst das nur ausgewachsen und geschützt: Jungpflanzen reagieren schon auf leichten Frost mit welken Blättern und Wachstumsschäden. Für ein DACH-Klima mit regelmäßigen Wintern deutlich unter null, oft wochenlang, ist das schlicht unvereinbar. Außerhalb Australiens wächst die Art deshalb fast nur dort im Freiland, wo Winter mild und praktisch frostfrei bleiben: an der Mittelmeerküste (in Palermo auf Sizilien stehen seit den 1840er Jahren Exemplare in Botanischem Garten und Stadtparks, also fast zeitgleich mit Valencia), außerdem in Kalifornien, Florida, Hawaii und Neuseeland. Valencia liegt klimatisch in genau diesem schmalen Korridor: Nachtfrost ist hier eine seltene Ausnahme, keine winterliche Regel.

Wichtig für alle, die zu Hause vielleicht selbst einen Feigenbaum im Garten haben: Das ist eine völlig andere Pflanze. Der bei uns verbreitete Echte Feigenbaum, Ficus carica, mit seinen essbaren Früchten, ist eine ganz andere Art aus demselben großen Ficus-Gattungsverbund und verträgt, je nach winterharter Sorte, Temperaturen bis etwa minus 20 Grad. Er übersteht deutsche, österreichische und Schweizer Winter im Freien ohne Probleme. Die Riesenfeigen von Valencia dagegen gehören zu den frostempfindlichen tropischen Verwandten der Gattung: mit einem deutschen Vorgarten-Feigenbaum haben sie botanisch zwar den Gattungsnamen gemeinsam, klimatisch aber nichts.

Ficus macrophylla (Valencia)Ficus carica (dein Feigenbaum daheim)
HerkunftRegenwald, Queensland/New South Wales (Australien)Mittelmeerraum, Vorderasien
FrosttoleranzBestenfalls kurz bis ca. minus 3 bis minus 6 GradWinterharte Sorten bis ca. minus 20 Grad
Wächst in DACH im Freien?Nein, nirgends dauerhaftJa, verbreitet in Gärten
WuchsformBis 55 Meter hoch, riesige Stützwurzeln, LuftwurzelnKleiner Baum oder Strauch, bis ca. 4 Meter

Was sind das für Bäume, und wo stehen sie?

Es handelt sich um Ficus macrophylla, auch Moreton-Bay-Feige oder Großblättrige Feige genannt, eine Art, die in ihrer Heimat bis zu 55 Meter hoch und über 2 Meter im Stammdurchmesser werden kann. Der beeindruckendste der vier Valencianer Bäume steht auf der Plaza Alfons el Magnànim, im sogenannten Parterre, direkt gegenüber dem Tribunal Superior de Justicia, der ehemaligen Aduana (dem Zollgebäude) aus dem späten 18. Jahrhundert. Er ist laut Valencia Plaza 24 Meter hoch und seine Krone bedeckt rund 850 Quadratmeter Fläche. Drei weitere Exemplare, seine "Geschwister", stehen direkt gegenüber im Park La Glorieta.

Charakteristisch sind die riesigen, oberirdisch sichtbaren Stützwurzeln (Brettwurzeln), die der Baum natürlicherweise ausbildet, um seinen massiven Stamm und seine breite Krone zu stabilisieren, dazu Luftwurzeln, die von den Ästen herabhängen und im Boden weiterwachsen können. Nach 170 Jahren Wachstum in städtischem Untergrund haben diese Wurzeln rings um die Bäume das Pflaster angehoben, ein Effekt, den man in der Glorieta und am Parterre bis heute mit den Händen ertasten kann.

Wie kamen die Ficus 1852 aus Versehen nach Valencia?

Die Bäume wurden 1852 gepflanzt, zusammen mit rund 47 Magnolien, wie Valencia Bonita und Valencia Plaza übereinstimmend berichten. Die Gärtner der damaligen Zeit hielten die jungen Setzlinge beider Arten offenbar für ähnlich genug, um sie zu verwechseln, und mischten dabei unwissentlich ein paar Ficus unter die Magnolienlieferung. Erst Jahre später wurde der Irrtum offensichtlich: Die vermeintlichen Magnolien entwickelten sich zu Bäumen, die weit größer wurden als geplant. Der Ficus vom Parterre stand übrigens schon an seinem Platz, bevor 1891 die Statue von Jaume I., die heute zu seinen Füßen thront, dort aufgestellt wurde.

Welche Krisen haben diese jahrhundertealten Bäume überstanden?

Eine ganze Menge: zwei Monarchien, zwei Republiken, eine Diktatur, einen Bürgerkrieg und mindestens zwei schwere Stürme, so Valencia Secreta und Valencia Bonita. Der Ficus vom Parterre widerstand 1915 einem Orkan, der von der Glorieta einem ähnlichen Sturm 1916. Beide überstanden außerdem die große Turia-Flut (riada) von 1957, bei der das Wasser fast bis zu ihren Kronen reichte.

Im September 2022 brach dann ein großer Ast des Parterre-Ficus ab und stürzte auf die Straße: Vier Menschen in der Nähe wurden dabei leicht verletzt, ein Auto wurde beschädigt, meldeten damals unter anderem der Radiosender COPE und der lokale Sender 7TV Valencia. Seitdem nimmt die Stadt die Baumpflege sichtlich ernster: Am 4. Juni 2024 startete Valencias Grünflächenamt zusammen mit der Feuerwehr eine groß angelegte Inspektions- und Pflegekampagne an beiden Ficus-Gruppen, mit einem Feuerwehr-Hubsteiger mit 32 Metern Reichweite, um Hohlräume, Risse, Krebsgeschwüre und andere Schäden in der Krone zu untersuchen und durch gezielten Rückschnitt das Gewicht der Äste zu reduzieren, damit so etwas nicht wieder passiert.

EreignisJahrWas geschah
Pflanzung (aus Versehen)1852Ficus vermischt mit rund 47 Magnolien am Parterre und in der Glorieta
Orkan am Parterre1915Starker Sturm, der Baum hält stand
Sturm an der Glorieta1916Weiterer Sturm, die Ficus halten stand
Turia-Flut (riada)1957Wasser erreicht fast die Baumkronen
Astbruch am ParterreSeptember 2022Vier Leichtverletzte, ein beschädigtes Auto, laut COPE und 7TV Valencia
Inspektions- und PflegekampagneJuni 2024Stadt und Feuerwehr prüfen und stutzen beide Ficus-Gruppen präventiv

Sind diese Bäume offiziell geschützt?

Ja. Beide Ficus-Gruppen gelten als "ficus monumentales" und fallen damit unter das Catálogo de Árboles Monumentales y Singulares der Comunitat Valenciana, ein offizielles Register, das vom Centro para la Investigación y Experimentación Forestal (CIEF) der Generalitat Valenciana geführt und durch das regionale Gesetz 4/2006 geschaffen wurde. Ein Baum kommt nach einem von drei Hauptkriterien in dieses Register: dem Stammumfang, einem Mindestalter von 500 Jahren bei bestimmten Arten, oder einem von CIEF-Fachleuten berechneten "Monumentalitätskoeffizienten". Auch Gemeinden können selbst vorschlagen, einen Baum als lokal bedeutsam einzustufen. Bei der letzten Aktualisierung, am 23. März 2023, zählte das Register 2.439 Exemplare, was die Comunitat Valenciana laut Generalitat Valenciana zur Region mit den meisten geschützten Bäumen ganz Spaniens macht.

Der Ficus vom Parterre war zudem schon einmal konkret in Gefahr: Eine direkt danebenliegende Tankstelle wurde durch seine wachsenden Wurzeln bedroht, die die Benzintanks zu gefährden und den umliegenden Bürgersteig anzuheben drohten, so Valencia Bonita. Die Verhandlungen zur Verlegung der Tankstelle begannen 2014, eine Einigung kam 2019 zustande, der vollständige Rückbau der Anlage erfolgte laut Valencia Bonita 2020. Ein Gutachten bezifferte den Wert des Baumes damals auf rund 380.000 Euro, eine Zahl, die selbst Valencia Bonita als weit unter seinem eigentlichen, ideellen Wert für das Viertel einschätzt.

Wo siehst du noch mehr beeindruckende Bäume in Valencia?

Fast überall in der Stadt, tatsächlich. Laut El Debate und Valencia Bonita wachsen weitere große, jahrhundertealte Ficus an der Beneficencia, bei den Torres de Serranos, an der Gran Vía Marqués del Turia, in den Jardines de Ayora und im Innenhof der Corts Valencianes, dem Regionalparlament, wo ein Exemplar 22 Meter Höhe erreicht. Auch abseits der Ficus lohnt sich der Blick nach oben: Valencia bleibt eine ausgesprochen grüne Stadt, umgeben von ihrer historischen Huerta, der traditionellen Gartenlandschaft rund um die Stadt (mehr dazu in unserem Huerta-Guide).

OrtBemerkenswerter Baum
Plaza de la Legión EspañolaGroßer Ficus am Rand des ehemaligen Flussbetts des Turia
Jardines del Real (Viveros)Der sogenannte "Ficus der Condesa de Ripalda", gepflanzt 1891
Jardín Botánico der Universität ValenciaKaukasische Flügelnuss-Ulme (Zelkova carpinifolia), 33 Meter hoch, Stammumfang 5,27 Meter
Corts ValencianesFicus mit rund 22 Metern Höhe im Innenhof des Regionalparlaments
Ehemaliger Pinienwald von CampanarEtwa 150 Jahre alte Pinie, letzter Rest des Waldes, der Valencia einst umgab
Avenida del Cid (Ecke Calle Albacete)Drei jahrhundertealte Palmen, Überreste eines früheren Landguts

Für mehr Ideen, was du diesen Monat in Valencia unternehmen kannst, hilft dir außerdem unsere Agenda für Valencia weiter.

Häufig gestellte Fragen

Kann man auf den Wurzeln der Ficus in Glorieta und Parterre klettern oder sitzen?
Viele Menschen in Valencia sind als Kinder darauf herumgeklettert und setzen sich bis heute darauf oder fotografieren sich davor. Es handelt sich aber um offiziell geschützte Bäume, die zum Kulturerbe der Stadt zählen: Geh vorsichtig mit den dünneren Wurzeln um und vermeide es, die Rinde zu beschädigen.

Warum haben diese Ficus so riesige, oberirdisch sichtbare Wurzeln?
Ficus macrophylla bildet natürlicherweise breite Stützwurzeln (Brettwurzeln) aus, um seinen massiven Stamm und seine ausladende Krone zu stabilisieren. Nach 170 Jahren Wachstum in städtischem Boden haben diese Wurzeln das umliegende Pflaster sichtbar angehoben.

Wie viele Bäume sind in der Comunitat Valenciana als "árbol monumental" geschützt?
Das regionale Register zählte bei seiner letzten Aktualisierung am 23. März 2023 genau 2.439 Exemplare, so die Generalitat Valenciana. Die Zahl ändert sich regelmäßig, da das Catálogo de Árboles Monumentales y Singulares laufend vom CIEF aktualisiert wird.

Könnte ich einen solchen Baum als Deutscher, Österreicher oder Schweizer in meinem eigenen Garten pflanzen, wenn ich nach Valencia ziehe?
Grundsätzlich ja, sofern das Klima am jeweiligen Wohnort in der Region ausreichend mild und frostfrei bleibt und genug Platz vorhanden ist: Ficus macrophylla wird sehr groß und breit. Für einen normalen Stadtgarten oder Balkon ist die Art wegen ihrer Endgröße allerdings ungeeignet, im Kübel überwintert sie zudem nicht ohne Weiteres.

Quellen

  • Valencia Secreta und Valencia Bonita: Geschichte und Bedrohungen der Ficus von Parterre und Glorieta
  • Valencia Plaza: Maße, historische Bäume der Stadt, Pflege- und Inspektionskampagne 2024
  • El Debate: Überblick über die bekanntesten Bäume Valencias
  • CIEF und Generalitat Valenciana: Catálogo de Árboles Monumentales y Singulares, Gesetz 4/2006, Stand 23. März 2023, 2.439 Exemplare
  • COPE und 7TV Valencia: Astbruch am Parterre, September 2022
  • PFAF Plant Database und botanische Fachliteratur: Frosttoleranz und Verbreitung von Ficus macrophylla

Im Juli 2026 recherchiert. Das genaue Datum des Rückbaus der Tankstelle am Parterre wird in den Quellen unterschiedlich angegeben (2020 laut Valencia Bonita, teils später laut anderen Quellen): Wir weisen darauf hin, ohne uns hier festzulegen.

Infos im Juli 2026 geprüft. Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt und anschließend von unserer Redaktion geprüft, überarbeitet und freigegeben, die dafür die redaktionelle Verantwortung trägt.

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